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„Auf Krisen reagieren Menschen oft mit Aufregung.“

24.03.2020

In seinem Buch „Die aufgeregte Gesellschaft“ erklärt der Philosoph Philipp Hübl, wie Emotionen unsere Moral prägen und die Polarisierung verstärken. Zu der aktuellen Situation sagt er: »Schon jetzt ist klar, dass die Corona-Pandemie die Welt fundamental verändert hat. Wir führen gerade ein weltweites Sozialexperiment durch, mit ungewissem Ausgang. Auf Krisen reagieren Menschen oft mit Aufregung. Das zeigt sich nicht nur beim Einkauf, sondern auch in den moralischen und politischen Urteilen. Viele neigen zum ›autoritären Reflex‹: Sie sehnen sich nach Anführern, die hart durchgreifen, sie wollen die Grenzen abriegeln, misstrauen Fremden und sind bereit, ihre Freiheiten aufzugeben, wenn man ihnen Schutz verspricht. In Krisen kann uns aber auch eine progressive Emotion leiten: unser Mitgefühl, das zur globalen Solidarität führt. Die Krise birgt die Chance auf internationale Zusammenarbeit, bessere digitale Frühwarnsysteme, mehr Vertrauen in die Wissenschaft und mehr Zusammenhalt in der Gesellschaft. Unseren Emotionen sind wir zwar ausgeliefert, aber unsere Moral ist eine Entscheidung.«

3sat Kulturzeit wirft in Zeiten der Isolation einen Blick in das Wohnzimmer des Philosophen. In seinem Philosophischen Corona-Tagebuch spricht er über Themen wie Resilienz, Freiheit und unseren Umgang mit Ungewissheit. Sämtliche Folgen können Sie sich hier ansehen.